Diplomarbeit (Auszug)

Mißverständnisse im »klassischen« Online-Marketing

Aufmerksamkeitsgewinnung

Viele Sites setzen sogenannte Splash Screens oder Intro-Seiten ein, die als erste Seite der Website erscheinen und nach Meinung derer, die diese Intros einsetzen, dazu dienen, den Benutzer willkommen zu heißen, und, möglicherweise durch ein animiertes Intro, den Leser auf die Site einzustimmen und dabei den Ballast der Navigationselemente wegzulassen.

Tatsächlich sind viele Leser von Splash Screens genervt und überspringen Intros so schnell wie möglich. Woran liegt das?

Die Idee eines »Vorspanns« kommt aus dem Video-/TV-Werbungsbereich, wo Werbespots, Trailer und Teaser auch ihre Berechtigung haben. Man kann aber Prinzipien aus anderen Medien nur bedingt auf das Web übertragen. Der Trugschluß liegt in diesem Fall darin, daß die TV-Spots als erstes einmal die Aufmerksamkeit des Betrachters erregen müssen. Im Web ist dies jedoch nicht nötig, denn der Leser ist ja schon auf der Website – der Anbieter hat die Aufmerksamkeit des Lesers bereits. Ein Intro, das zusätzliche Wartezeit vor dem Zugriff auf die gesuchten Informationen bedeutet, läuft schnell gefahr, diesen Aufmerksamkeitsbonus wieder zu verspielen, denn auch die Konkurrenz ist nur wenige Klicks entfernt.

Der Webdesign-Guru Jakob Nielsen beschreibt das Leseverhalten als »einen Zeh ins Wasser tauchen«: Websites werden nicht mehr wirklich »besucht«, sondern nur auf der Suche nach einer bestimmten Information äußerst selektiv überflogen. Alles, was nicht dem momentanen Ziel des Lesers dient, wird ignoriert. Man kann den Leser also nur mit Inhalten, Informationen, nicht mit schönem Schein auf der Site halten.

Am Vorhandensein eines Splash Screens erkennt man meist Sites, die unter den Kommunikationswegen ihrer Betreiber nur eine untergeordnete Rolle spielen. Also etwa eine Agentur, auf deren Website man schaut, weil man die Adresse auf der Visitenkarte gelesen hat, oder eine Firmen-Website, deren Adresse man in einer Fernsehwerbung gesehen hat.

Banner- und Pop-Up-Werbung

Andere Versuche, Prinzipien aus der Offline-Welt auf die Online-Welt zu übertragen, sind die der Anzeige und des Mailings.

Die Anzeigen entsprechen den Banner Ads, Werbegrafiken unterschiedlicher Größen, die nicht zum Rest der Site passen und möglichst stark vom eigentlichen Inhalt ablenken, sei es durch Blinken, Zappeln oder Imitieren von Dialogboxen des Computersystems.

Viele Benutzer nehmen diese Bannerwerbungen gar nicht wahr, durch eine Art unterbewußten Werbefilter. Dies kann merkwürdige Effekte haben: Leser übersehen Inhalte, die ähnlich wie Werbebanner aussehen, oder an Stellen auf der Seite plaziert sind, an denen man üblicherweise Werbebanner erwartet. Dieser Effekt wird Bannerblindheit genannt.

Pop-Up-Werbung sind die Fenster, die sich zusätzlich öffnen, während man eine andere Website besucht. Laut einer von Jakob Nielsen zitierten Umfrage hatten im September 2004 von den Befragten 69 % ihre Browser so konfiguriert, daß Pop-Ups und andere Werbeinhalte gar nicht erst angezeigt werden.

Pop-Up-Werbung hat einen weiteren negativen Effekt: Sie beeinflußt bei 50 % der Befragten ihre Meinung über den solcherart Werbenden äußerst negativ, und 40 % bekommen eine negative Meinung über die Site, auf der die Werbung erscheint.

Wenn schon Werbung auf der Site sein müsse, solle sie in Form von Textlinks eingebaut werden, die deutlich als Werbung erkennbar sind und dem Leser klar sagen, worum es geht, und was passieren wird, wenn er den Link anklickt.

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